Ciprofloxacin und Angstzustände

Ciprofloxacin löst als Nebenwirkung Angstzustände und Panikattacken aus

Es hat ein paar wenige Wochen gedauert, bis ich bemerkte, dass Angstzustände ein wirklich bedeutsamer Teil der Symptome der Ciprofloxacin Nebenwirkungen sind.

Zuerst bemerkte ich es an einem ganz normalen Samstag. Ich war völlig antriebslos. Nicht müde oder traurig – sondern einfach nur antriebslos. Ich hatte keine Lust aufzustehen (ich musste aber, wegen der Kinder), ich hatte keinen Appetit und keine Lust etwas zu Essen zu machen (ich musste aber für die Kinder natürlich und tat dies auch). Aber ich saß fast den ganzen Tag teilnahmslos herum und fragte mich, was mit mir los sein. (Mehr Infos zu Depressionen gibt es auf der Seite „Ciprofloxacin und Depressionen„)

Abends ging es dann los. Ich spürte, wie ein Gefühl der Angst in mir hochstieg. Ich konnte es fast körperlich wie eine Welle spüren. Es begann in der Magengegend und breitete sich in alle Richtungen aus. Am stärksten spürte ich das Gefühl im Brustbereich. Damals wusste ich noch nicht, dass diese Angstzustände eine Folge der Ciprofloxacin Nebenwirkungen sind.

Der Zustand dauerte mehrere Stunden an. Ich konnte an diesem Abend kaum einschlafen. Ich hatte Herzrasen. Mein Blutdruck lag bei 180/130.

Am nächsten morgen war der Spuk vorbei. Die Angstzustände waren verschwunden. Ich fühlte mich müde – aber ansonsten OK.

Heute weiß ich, dass die Angstzustände einer der unangenehmsten Aspekte der Ciprofloxacin Nebenwirkungen sind. Ciprofloxacin löst Angstzustände aus, weil es das GABA-System stört. GABA ist verantwortlich im vegetativen Nervensystem für die bezuhigende Wirkung, das Herunterfahren. Es ist der Gegenspieler der Angst. Ciprofloxacin führt zu Angstzuständen weil es das GABA-System stört.

Dazu habe ich auch einen eigenen Artikel geschrieben: Ciprofloxacin und GABA.

Zurück zu den Angstzuständen:

In den folgenden Monaten bekam ich immer häufiger immer stärkere Angstzustände. Die schlimmsten Angstzustände bestanden aus Frieren, Zittern, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck und einem Puls > 120. Vor allem am späten Abend kamen die Angstzustände häufig.

Oft manifestierte sich ein merkwürdiges körperliches Symptom (z.B. ziehende Schmerzen im Brustraum oder ein Kloßgefühl im Hals) zur Angst, eine schlimme Krankheit zu haben. Ich weiß inzwischen, dass diese Ängste in mir real sind – Ciprofloxacin und seine Auswirkungen auf die GABA Rezeptoren haben jedoch dazu geführt, dass sich diese Angstzustände bei mir wesentlich stärker ausgeprägt haben.

Ich habe nie irgend welche Beruhigungsmittel genommen. Mein Arzt gab mir Benzodiazepin für den Notfall. Ich las, dass dies in Zusammenhang mit Ciprofloxacin eine gegenteilige Wirkung entfalten kann und habe es nie genommen. Statt dessen haben mir andere Dinge geholfen.

Diese Dinge haben mir gegen Angstzustände geholfen:

  • Autogenes Training: Ich habe mir eine CD gekauft für Autogenes Training. Dies half mir, mich von den körperlichen Symptomen abzulenken und mich zu beruhigen. Inzwischen weiß ich, dass jede Form des mentalen Trainings (Yoga, Meditation, Hypnose, autogenes Training, etc.) dem Körper hilft mehr GABA zu produzieren. Dies wirkt der GABA-schädigenden Wirkung von Ciprofloxacin entgegen.
  • Spaziergänge: Die leichte körperliche Bewegung in der Natur hat mir innerhalb von wenigen Tagen geholfen, dass sich meine Symptome bessern. Vor allem in den wirklich schlimmen Episoden konnte ich mich mit Spaziergängen ablenken – obwohl es Winter war und dunkel. Ich konzentrierte mich auf das positive, z.B. das Glitzern der Sterne, die Schneeflocken im Licht der Laterne, eine Sternschnuppe etc. Dies stimmte mich immer positiv und ließ mich die Angst vergessen.
  • Homöopathie: Ich kann nicht sagen warum und wie gut es mir geholfen hatte. Aber mein Arzt verschrieb mir ein homöopatisches Mittel gegen Anstzustände und „nervliche Belastungszustände“ wie es auf der Packung heißt. Ich bin kein Anhänger der Homöopathie – eventuell habe ich meinen Körper einfach nur darauf konditioniert. Aber das Mittel hat mir geholfen. Einfach in der Apotheke nachfragen, ich möchte hier bewusst keine Medikamente empfehlen.

Weitere Informationen darüber, was mir auch sonst gut geholfen hat, die Ciprofloxacin Nebenwirkungen zu bekämpfen, steht auf der Seite Therapie.

6 Gedanken zu „Ciprofloxacin und Angstzustände

  1. hallole,
    ich habe auch angstzustände. Ich habe sogar angst wenn das telefon klingelt oder ich auf ein amt muss. Ich kenne solche angstzustände nicht. Und das schlimme ist, wenn ich diese angst habe, verschlimmern sich meine symptome. Das merke ich, wenn ich zum beispiel horrorseiten von ciprogeschädigten lese, dann bekomme ich angstzustände und mir brennen sofort die beine und es fängt überall an zu kribbeln. Geht es euch auch so, mit den angstzuständen?????

    • Ja, kenne ich. Alle Symptome sind dann wieder voll da. Das lässt mich manchmal glauben, nicht mehr alle Tassen beisammen zu haben. ..ich hoffe, dass der Alptraum irgendwann ein Ende haben wird. Oft kann ich das nicht glauben, weil meine Ängste mich daran hindern und die Symptome doch so schrecklich sind..

  2. Chinolone haben spezifische Mechanismen um den Körper zu schädigen. Sie besitzen aber auch durch die Produktion von freien Radikalen und Stickoxiden eine mehr
    generelle Art Schaden zu verursachen, der uns mit anderen verbindet, die z.B. durch Holzschutzmittel oder andere Chemikalien geschädigt wurden. Bitte arbeitet Euch in die Artikel von Pall ein. http://www.europaem.de/events/MCSMartin-PallARG.pdf

  3. Die Angst eine schlimme Krankheit zu haben, habe ich auch. Ich bekam von meinem Neurologen Mirtazipan? Ein Antidepressivum, dass einen schlafen lassen soll und nach ein paar Tagen auch wirken soll. Erst hatte ich Angst es zunehmen, dann nahm ich doch die kleinste Einheit – das war fatal. Mir ging es drei Tage richtig schlecht, wie im Delirium. Also das habe ich dann nicht mehr genommen, helfe mir mit Johanneskraut und Passionsblume weiter. Aber ich habe abends und nachts trotzdem die Ängste..

  4. Ich bin überaus froh diesen Artikel gefunden zu haben! Denn ich selber dachte schon, dass ich allmählich spinnen würde!
    Vor genau vier Wochen nahm ich für 5 Tage 500 mg/d Ciprofloxacin ein aufgrund eines Harnwegsinfekt. Mein Hausarzt meinte selber, dass er mir gerne direkt Ciprofloxacin geben wolle, da die Nebenwirkungen doch sehr gering sein sollten. Ich selber bin Medizinstudent und wusste, dass Cephalosporine Breitspektrumantibiotika sind. Dachte mir deshalb: super, 6 Tage und alles vorbei. Doch so war es nicht.
    Nach den 6 Tagen nahm ich sofort ein Probiotikum ein, da es häufig zu Darmirritationen kommen kann. Es entwickelten sich auch bei mir Bauchkrämpfe in den kommenden Tagen, dazu Übelkeit. Ich begann mich von MCP Tabletten zu „ernähren“. Eines Nachts wachte ich dann aber Schweiß gebadet auf, mir war kotz übel, die Luft zum Atmen blieb mir weh, meine Beine zitterten, ich begann zu weinen und hatte Todesangst. Aus Verzweiflung rief ich meine Mutter an (Ärztin) die mich soweit beruhigte. Am nächsten Tag beschloss ich in meine Heimatstadt zu fahren. Ich musste schließlich lernen für eine anstehende Prüfung und wollte einfach meine Ruhe haben und mich „gesund schlafen“.
    Doch es wurde nicht besser:
    Es entwickelte sich bei mir eine persistierende Übelkeit, mir wurde schlecht beim Anblick vom Essen, ich nahm in drei Wochen vier Kilo ab, meine Muskel an den Oberschenkel begannen zu drücken zu schmerzen, ich schloss dies darauf, dass ich schon seit vier Wochen nun nicht mehr zu Sport ging (normalerweise gehe ich zweimal die Woche zwei Stunden und mache viel Kraftausdauertraining).
    Mir war oft schwindelig und tagsüber war ich so unfassbar, einfach müde. Ich ging viel spazieren mit den Hunden, was mir normaler weise oft hilft, wenn ich krank bin.
    Über die Woche entwickelte sich bei mir die Angst vorm allein sein. Der Gedanke, in die Stadt zurück zukehren, in der ich studierte, löste bei mir ein Engegefühl in der Brust aus und ich vergaß zu atmen. Ich redete mir ein, dass es alles eine Kopfsache sei und redete mir gut zu.
    Vor zwei Tagen nun lag ich nachts im Bett -das Licht hatte ich schon um 22 Uhr ausgemacht- und hatte Probleme beim einschlafen. Die Uhr zeigte 23:40, 00:36, und auf einmal überrannte mich eine tiefe Panik. Meine Brust schnürrte sich zu, ich schnappte nach Luft, mir wurde heiß, kalt, heiß, kalt, meine Finger, Hände, Arme waren taub, ich begann zu schwitzen, mir wurde beim liegen schwindelig und mein Mund war trocken, das schlucken viel mir schwer. Da merkte ich: du hast ne Panikattacke. Das vor zwei Wochen war auch ne Panikattacke. Ich begann zu weinen, weil ich dachte, dass ich nun letztendlich verrückt geworden sei. Ein Fall für die Klapse.
    Heute war ich bei meinem Hausarzt aus meiner Heimatstadt. Er nahm meine Beschwerden sehr ernst, hat mich bis zum Ende des Jahres krankgeschrieben in der Uni -ich bin ,gestehe ich, ehrgeizzerfressen und bin bis jetzt noch nie vor meinen Verpflichtungen weggelaufen, egal wie krank ich war- doch mein Körper streikt und meine Seele. Ich erkenne mich nicht wieder.

    Dass ich auf diesen Artikel stieß, gibt mir nun ein wenig Hoffnung. Ich fühle mich nicht alleine und komme mir nicht mehr allzu verrückt vor.
    Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passieren könnte, da ich mir selber sage: „was häufig ist, ist häufig, was selten ist, ist selten.“ Nur kann man anscheinend auch recht schnell einer der „Seltenen“ sein.

  5. Mensch, Euere Artikel beruhigen schon. Ich habe Colitis ulcerosa und neben Masalamin habe ich das doofe Cipro und Prednison verschrieben bekommen. Habe erst heute gelesen, dass man Cipro und Prednison nicht zusammen nehmen sollte. Ich habe schon von „Natur“ her Angstanfälle, aber habe sie im Griff mit autogenem Training, aber nach 5 Tagen auf Cipro habe ich ein morgendliches Herzrasen bemerkt und auch fast eine Panikattacke. Ich habe Cipro nach 6 Tagen (sollte sie 10 Tage nehmen) abgesetzt. Also nun habe ich schon 24 Stunden kein Cipro mehr genommen, aber hatte heute immer noch etwas Herzrasen und viel Angst. Furchtbar! Wann hört das denn auf? Wie lange hat man diese Nebenwirkungen, obwohl man das Medikament gar nicht mehr einnimmt. Hoffentlich ist das nichts langfristiges. Ich werde das niemals mehr nehmen!!!! Morgen gehe ich bei meinem Arzt vorbei und sag ihm, dass ich das abgesetzt habe und niemals mehr nehmen werde. Der Colitis hat es auch nicht geholfen….im Gegenteil.
    Vielen Dank für’s Zuhören!

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